EjTluHaWsAI9Bij.jpg

Jin Jiyan Azadî

Frau Leben Freiheit (persisch: Zan zendegi Azadi)

In der Geschichte des kurdischen Volkes ist das Wort für Frau das gleiche wie für Leben. Im Laufe der Zeit wurden daraus zwei gegensätzliche Pole.

Am 16. September 2022 wurde Jina Amini von der iranischen Polizei in Teheran ermordet. Sie wurde ermordet, weil ihre Kleidung nicht den Vorschriften entsprach, die die iranische Sittenpolizei Frauen in der Islamischen Republik auferlegt. Jina war Kurdin. Viele haben sie aus den Medien als Mahsa Amini kennengelernt. Doch Mahsa war nicht ihr tatsächlicher Name. Es war der Name, den ihr der iranische Staat aufgezwungen hat, weil kurdische Namen, wie "Jina", verboten sind. Seit Jina Aminis Tod gehen jeden Tag tausende Menschen - angeführt von Frauen - im Iran und Ostkurdistan, gelegen im Nordosten des Irans, auf die Straße. Sie fordern das Ende der Islamischen Republik. Ihr Slogan lautet "Jin, Jiyan, Azadî!". Das ist kurdisch und bedeutet "Frauen, Leben, Freiheit". Aus allen Straßen der Welt, wo sich Menschen mit den Protesten im Iran solidarisieren, ist die Parole heute zu hören. "Jin, Jiyan, Azadî" ist die Grundlage, die Leitidee und die Parole der kurdischen Freiheitsbewegung. Jin und Jiyan, also Frau und Leben, stammen im Kurdischen von der gleichen Wortwurzel ab und symbolisieren den engen Zusammenhang zwischen der Bedeutung der Frau und dem Leben. Azadî bedeutet Freiheit. In der kurdischen Freiheitsbewegung sagt man, dass eine Gesellschaft nur so frei sein kann, wie es die Frauen, die in dieser Gesellschaft leben, sind. Sie stellt die Freiheit der Frau in das Zentrum ihres Kampfes für ein freies Leben ohne Unterdrückung. Seit Jahrzehnten wird die kurdische Freiheitsbewegung für diesen Kampf kriminalisiert, verfolgt und ihre Mitglieder inhaftiert und ermordet. Der Vordenker der Frauenbefreiungsideologie und somit der Parole "Jin, Jiyan, Azadî" heißt Abdullah Öcalan. Er wurde 1999 für seine Ideen verhaftet und sitzt seitdem in Isolationshaft auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali. Der Iran und Ostkurdistan sind nicht die einzigen Orte, an denen Menschen unter der Parole „Jin, Jiyan, Azadî“ für ihre Freiheit kämpfen. In Nord- und Ostsyrien/Rojava, wird seit nun schon zehn Jahren eine gesellschaftliche Selbstverwaltung aufgebaut. Die Revolution startete im Juli 2012, im Rahmen des syrischen Bürgerkriegs, ebenfalls unter der Leitidee von Frauen, Leben, Freiheit.

Heute nehmen Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen führende Rollen ein - unter einer alltäglichen Kriegsbedrohung. Denn fast jeden Tag werden Menschen bei Bombenangriffen durch türkische Drohnen ermordet. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2022 wurden bei mehr als 70 Drohnenangriffe zahlreiche Menschen ermordet. Es ist daher umso wichtiger, dass die Parole „Jin, Jiyan, Azadî“ heute auf allen Straßen der Welt zu hören ist. Wenn wir sie rufen, tun wir das nicht nur in Solidarität mit den Protesten im Iran, sondern solidarisieren uns gleichzeitig mit der kurdischen Frauenbewegung und ihrem Kampf gegen die Unterdrückung, Vertreibung und Ermordung der kurdischen Bevölkerung.

Ich bin ein Text