Allgemein

Spiritualität des Alltags

Spiritualität ist die Erfahrungs- und Erlebnisdimension des Glaubens. Sie ist eine das Alltagsleben durchdringende Kraft, das Beseelt- und Getragensein von Gottes Geist. In ihr sind Seele und Körper, Heiliges und Profanes, Geistliches und Weltliches vereint.

Spirituelle Menschen leben ihren Alltag aus dem Glauben heraus – als von Gottes Geist inspirierte Menschen. Ihr Weg nach innen, in die Tiefe ihres Wesens, ist immer zugleich ein Weg in die Lebenswirklichkeit ihres Daseins.
Denn dieser Weg konfrontiert mich mit mir selbst. Er hilft mir, wahrzunehmen was ist. Auf diesem Weg begegne ich dem Schönen und dem Widerwärtigen, dem Kraftvollen und dem Bedrohten. Ich erfahre Momente des Glücks, des Aufgehobenseins, der Verbundenheit mit dem Sein und erlebe das Verwundete, Unwirtliche und Unerlöste in mir. Spiritualität ist darum immer auch eine Begegnung mit meinem Begrenzt sein und meiner Unvollkommenheit.

Spiritualität verhilft mir zu meiner wahren Identität. Ich wachse und reife in dem Masse, wie ich lerne, alles was in mir da ist, anzunehmen – das Schöne und Kraftvolle wie das Dunkle und Destruktive.
Wenn alles sein darf, was in mir ist, finde ich mein inneres Gleichgewicht, werde ich ein ausgeglichener Mensch, erfahre ich mich im Einklang mit mir selbst. Dann wächst jene Lebenskraft in mir, die mit anderen mitfühlt, die das Schöne wie das Unvollkommene auch in den anderen wahrnimmt und bejaht.

Spirituelle Menschen wachsen in eine engagierte Gelassenheit hinein – was nicht cool-Sein bedeutet, sondern sensibel, einfühlsam und achtsam für alles Lebendige rings um sich. Ihr Engagement lebt nicht von Machtfantasien oder der Angst vor Liebesentzug, sondern vom Hineinwachsen ins Urvertrauen. Sie erfahren und gestalten ihr Leben als von Gott geschenkt.

Als ausgeglichene Menschen lernen wir, die Spannung zwischen Engagement und Gelassenheit tagtäglich auszuhalten. Dies gelingt uns, indem wir immer wieder Distanz zu den Ereignissen schaffen. Indem wir den inneren Raum in uns betreten, zu dem niemand Zutritt hat, wo keine Erwartungen und Ansprüche uns erreichen, wo wir einfach sein dürfen.